Das Thema Australien ist nun abgeschlossen, endgültig.
Einer der Vorteile ist die nun zur Verfügung stehende Zeit für andere Dinge, für wichtige Dinge! Seit über 4 Jahren bin ich nicht mehr zum Bierbrauen gekommen. Es gab zwischendurch nur mal einen Versuch mit einem australischen Coopers-Bierkit. Das Ergebnis war aber nicht überzeugend. Ein zweiter Versuch vor 6 Wochen mit einem höherwertigen Bierkit hat mich auch noch nicht vollständig überzeugen können. Maischebrauen muß es wieder sein. Damit hat man auch unzählige Möglichkeiten, kann eigene Biervariation erzeugen und allerlei Experimente abseits des Reinheitsgebotes durchführen. Soweit bin ich aber noch nicht…
Am letzten Sonntag stand also endlich wieder ein echter Brautag an. Es wurde ein Hefeweizen, stark angelehnt an das Rezept aus dem Buch von Huber Hanghofer (Buchempfehlung), gebraut. Obergärige Biere, speziell Weizenbiere, sind schnell trinkfertig und verzeihen auch so manchen kleine Fehler. Die hohe Kunst des Brauens ist das Pils. Da spielt aber die Wasserqualität bzw. dessen Tuning eine wichtige Rolle.
Hier paar Bilder und Informationen zu den wichtigsten Brauschritten vom Wochenende.
Das Malz wurde am Vortag geschrotet. Es darf nicht gemahlen werden, da die Spelzen beim Abläutern als natürliche Filterschicht dienen sollen.
Die wichtigsten Teile der Brauanlage: Der Maischekessel rechts ist ein elektrischer Einkochtopf. Er wird später auch zum Hopfenkochen verwendet. Das Fassungsvermögen beträgt knapp 30 Liter. Links ist das Läutergefäß zu sehen, Prinzip der doppelten Oskartonne.
Maischen: Das Malz wird in erwärmtes Wasser (ca. 45 Grad) geschüttet. Schrittweise und mit Rasten auf verschiedenen Temperaturstufen wird die Maische auf 78 Grad erhitzt.
Beim Abläutern werden die unlöslichen Malzbestandteile (Treber) zur Gewinnung der Würze abgetrennt. Nachgüsse aus Wasser sollen weiteren Extrakt auswaschen.
Anschließend wird die Würze mit dem Hopfen ca. 90 Minuten gekocht. Die Pfanne muss voll sein! Alles andere ist Verschwendung.
Der Hopfen und ausgefallene Eiweißstoffe werden anschließend abgetrennt und man erhält die Stammwürze. Ich benutze eine Baumwollwindel als Filter. Old School.
Zum Kühlen der Würze auf Gärtemperatur benutze ich eine selbstgebaute Kühlspirale aus Kupfer.
Zwischendurch wurde die Trockenhefe mit ein wenig Malzbier rehydriert und zeigt erst Anzeichen von Gäraktivität.
Die Hefe wird der Würze zugegeben. Nach wenigen Stunden ist die Gärung in vollem Gange.
Hier fehlt nun noch der Schritt der Abfüllung in Flaschen und Partyfässer. Darin findet eine Nachgärung, vorallem zum Aufbau der Kohlensäure, statt. Bei der anschließenden Kaltlagerung möglichst nahe dem Gefrierpunkt reift das Bier, Gärnebenprodukte werden abgebaut und die Hefe setzt sich ab. Die Kaltlagerung kann je nach Biertyp mehrere Monate dauern. Ein Hefeweizen ist aber bereits nach zwei bis drei Wochen trinkbereit. Etwas Warten ist also angesagt…
Das Ergebnis eines Muntons IPA Bitter Bierkits. Sieht es nicht lecker aus? Leider bin ich zu ungeduldig. Mit längerer Lagerung wird der Geschmack sicher noch besser.
Der beim Läutern entstehende “Abfall” , der Treber, kann noch zum Backen von Brot benutzt werden.
Na, hat jemand Lust bekommen sein eigenes Bier zu brauen?
















13. Oktober 2011 um 11:28 |
Spektakulärer Artikel!
Und es ist Dir auch gelungen eine gesunde Mischung aus Respekt und schlechtem Gewissen zu erzeugen, so dass ich mich beim Verkosten (wenn ich darf) deutlich länger an einem Glas aufhalten werde…
13. Oktober 2011 um 12:19 |
Respekt vor dem Selbstgebrauten muss sein. Ist ja auch ne Menge Arbeit
Sauereien wie Radler sind absolut tabu. Es wird schon nicht so schlecht schmecken.
Aber warum hast Du ein schlechtes Gewissen?
Einen Verköstigungstermin werden wir finden…